top of page

Informationen zur Periodischen Paralyse

​Die Periodische Paralysen (Lähmungen) sind seltene Muskelerkrankungen, die immer wieder zu Schwächeanfällen und vorübergehenden Lähmungen führen. Die Lähmungen können plötzlich oder allmählich beginnen und sich innerhalb von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen zurückbilden. Die Atemmuskulatur ist meistens nicht betroffen, aber in Einzelfällen möglich. In einer Attacke kann auch das Bewusstsein gestört sein und die Aussprache schwierig sein. Ursache sind Störungen in Ionenkanälen, die die elektrische Muskelaktivität steuern. Die Attacken stehen typischerweise mit Abweichungen des Blutkaliumspiegels in Verbindung. Die genetischen Mutationen sind je nach Variante unterschiedlich. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant, somit besteht die Wiederholungswahrscheinlichkeit bei Kindern zu 50%

​

Es gibt folgende 5 Formen:

​​

​

keine eigene Form, jedoch sind die Varianten oft begleitet von: Mytonie

​

​​​

​

​Informationen zu den einzelnen Periodische-Paralyse-Arten​

​​​

Hypokaliämische Periodische Paralyse

​

(HypoPP, auch bekannt als Westphall Krankheit)

​

  • Wiederkehrende Lähmungen und Muskelschwäche, dadurch Gangstörung möglich

  • Betrifft oft alle 4 Extremitäten (beide Arme und beide Beine)

  • Patienten wachen oft extrem geschwächt auf oder sogar (halsabwärts) gelähmt auf nach körperlicher Anstrengung oder kohlenhydratreicher Ernährung am Vortag

  • Während der Attacke oft brain-fog/ nicht Klar-Denken-Können, geschwächte Augenmuskulatur/ Myotonie der Augenlider (Augen offen halten fällt schwer), sich nicht gescheit artikulieren können

  • Keine Muskelsteifheit (Myotonie) während Attacke, im Gegensatz zur HyperPP

  • Kaliummangel im Blut (<3,5) / Kaliumgehalt unterhalb der Norm

  • Verschiebung des Kaliumwertes nach unten löst Attacke aus, auch wenn sich der Wert noch in der Norm befindet

  • Attacken oft nach Anstrengung, wenn man wieder zur Ruhe kommt bzw. in Ruhe nach muskulärer Belastung

  • Lähmung dauert Minuten bis Stunden oder auch Tage

  • Körpermitte/ Rumpf und Atemmuskulatur bleiben meist verschont

  • In Attacken fällt der Kaliumgehalt im Blut, mal mehr, mal weniger. Er mag auch im normalen Limit bleiben, aber er fällt im Vergleich zu dem normalen Wert des Patienten. Bereits eine Verringerung von 0,5 mmol/l kann zu schwerer Muskelschwäche oder sogar zur Lähmung führen.

  • Während der Attacken wird das Muskelgewebe geschädigt, was dann bei manchen Patienten zwischen 50-60 Jahren zu permanenter Muskelschwäche führen kann.

  • Bei der Hälfte der Patienten treten Fibromyalgische Schmerzen auf

  • 60-70 % der Patienten haben eine Mutation im Muskelcalciumkanal-Gen CACNA1S

  • 10% der Patienten haben eine Mutation im Natriumkanal-Gen SCN4A

  • Sehr selten: Mutation im Muskelkaliumkanal KCNE3 oder im KCNJ2

​​

​​

Trigger (bis zu 36 Stunden vor Attacke):

​​​

  • Kohlenhydratreiche (insbes. Zucker) und stärkereiche Mahlzeiten

  • Salz, natriumreiche Mahlzeiten

  • Emotionaler oder körperlicher Stress

  • Überanstrengung

  • Alkohol

  • Kälteexposition, Hitze, extreme Temperatur- oder Luftdruckwechsel

  • Hormone (Östrogen -> Eisprung, Progesteron -> Ende des Zyklus, Pille, Schwangerschaft)

  • Medikamente, Antibiotika, Narkosen, Cortison, Adrenalin

  • Glukose, Kochsalzlösungen

  • Koffein

  • Schlafmangel

  • Infektionen

  • Schmerz

  • Angst, Schreck, Aufregung, übermäßige Freude (schüttet alles Adrenalin aus, welches wiederum das Kalium verschiebt)

  • Allergene: Histaminausschüttung durch allergische Reaktion auf irgendwas (steigert Kortisol und verschiebt/reduziert Kalium)

  • Bestimmte Gerüche (z.B. Düfte, Parfum, Chemikalien, Reiniger)

  • Elektromagnetische Felder

  • Erbrechen oder Durchfall (reduziert Kaliumwert im Blut)

​

Lebensweise zur Vermeidung von Anfällen/ Behandlung:

​​

  • Vermeiden einer kohlenhydratreichen Ernährung, insbesondere Zucker und Weißmehl, besser: Vollkorn, Vermeiden von Glukosespitzen

  • kaliumreiche Ernährung (z.B. Kokoswasser ohne Zucker, Avocado)

  • natriumarme Ernährung 

  • Vermeiden von körperlich schwerer Arbeit und Überanstrengung

  • Vermeiden von Alkohol

  • Vermeiden der Auslöser

  • Lange Ruhezeiten vermeiden, immer in leichter Bewegung bleiben​

​​

Nahrungsergänzungsmittel/ Medikamente:

​​

  • Orale Kaliumpräparate wie Kaliumretard

  • Kochsalz ersetzen mit Pansalz (hat weniger NaCl und mehr Kaliumsalze)

  • Acetazolamid

  • Spironolacton

  • Eplerenon

  • In Amerika zugelassen, leider nicht in Deutschland: Dichlorphenamid

​

Behandlung in Attacke:

​​

  • In leichter Attacke: Gabe von schnellverfügbarem Kalium (Kaliumbicarbonat, Kaliumglukonat oder Kaliumchlorid. Retard-Kapseln in Attacke nicht sehr hilfreich)

  • Wenn man nicht mehr schlucken kann: Kalium-Infusion

​​

​​

Diagnosemöglichkeiten:

siehe unten

Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HyperPP)

​​

  • Wiederkehrende Lähmungen und Muskelschwäche, dadurch Gangstörung möglich

  • Betrifft oft alle 4 Extremitäten (beide Arme und beide Beine)

  • Lähmungen können auch Augen, Rachen, Atem- und Rumpfmuskulatur betreffen

  • Lähmungen dauern Minuten bis weniger als 2 Stunden (meist weniger als 1 Stunde)

  • Kaliumwert im Blut erhöht (>5,5 oder Anstieg von mind. 1,5)

  • Verschiebung des Kaliumwertes nach oben löst Attacke aus, auch wenn sich der Wert noch in der Norm befindet

  • Oft begleitet von Myotonie (Muskelsteifheit), insbesondere in Schwächeperiode

  • Anfälle im Ruhezustand nach körperlicher Anstrengung/ Belastung, nach kaliumreichen Mahlzeiten oder durch (kohlenhydrat-)Fasten

  • Erhöhtes Kalium im Blut / Kaliumgehalt oberhalb der Norm

  • 80% der Patienten haben eine Mutation im Gen des Natriumkanals SCN4A

​

​​

Trigger:

​​

  • Kaliumreiche Ernährung

  • Fasten, insbesondere low-carb-Diät, Hunger, Auslassen von Mahlzeiten

  • Emotionaler oder körperlicher Stress

  • Überanstrengung

  • Alkohol

  • Kälteexposition, Hitze, extreme Temperatur- oder Luftdruckwechsel

  • Infektionen

  • Trauma

  • Hormone

  • zu wenig oder zu viel Schlaf

​​

Lebensweise zur Vermeidung von Anfällen:

​​

  • Regelmäßige kohlenhydratreiche Ernährung

  • kaliumarme Ernährung

  • ausreichend Kochsalz nutzen

  • Verzicht auf Fasten

  • Keine körperliche Belastung

  • Vermeidung von Kälte

​

Behandlung einer Attacke:

​

  • Kohlenhydratzufuhr

  • Wenn noch möglich: leichte körperliche Betätigung

  • Thiaziddiuretika zur Senkung des Kaliumspiegels

  • Acetazolamid

  • Kalciumglukonat IV

  • Insulin

  • Glukoseinfusion

  • Salzwasser

  • Inhalation eines ß-Mimetikums (Metaproterenol, Albuterol oder Sulbutamol)

​​

Diagnosemöglichkeiten:

siehe unten

Thyreotoxische Periodische Paralyse (TPP)

​​

  • Eine Form der Hypokaliämischen Periodische Paralyse

  • Periodische Lähmungen und Schwäche

  • Sonstige Symptome: Angst, Zittern, Herzklopfen, emotionale Labilität, vermehrtes Schwitzen

  • Attacken ausgelöst durch Kaliummangel, verursacht durch Schilddrüsen-Hormon-Störung

  • Anfälle dauern Stunden bis Tage

  • Geringe Kaliumwerte im Blut

  • Auslöser: Bewegung, Stress, Belastung Kohlenhydrataufnahme

  • Betrifft überwiegend asiatische Männer

  • Mutation des Gens KCNJ18

​

Vermeidung von Anfällen:

​​

  • Aufrechterhaltung einer guten Schilddrüsenfunktion

  • Gabe eines Beta-Blockers (z.B. Propranolol)

​

Behandlung:

​

  • Behandlung der Schilddrüsen-Erkrankung

Andersen-Tawil-Syndrom (ATS)

​

  • Periodische Lähmungen und Muskelschwäche

  • Herzrhythmus-Störungen

  • Anfälle in Ruhe nach körperlicher Anstrengung

  • Können Tage andauern und monatlich auftreten

  • Zustände der Schwäche oft mit niedrigem Kalium verbunden, aber auch erhöhte oder normale Kaliumwerte im Blut möglich

  • Mögliche begleitende Entwicklungsstörungen: Kleinwuchs, hoher Gaumen, tiefsitzende Ohren, breite Nase, großer Abstand zwischen Augen, Fehlstellung der Finger, kurze Zeigefinger, zusammengewachsene Zehen

  • Mutation des KCNJ2-Gens oder des KCNJ5-Gens

  • Patienten können einen hohen, niedrigen oder normalen Serumkaliumspiegel haben

  • Nicht verbunden mit Myotonie

  • Episoden des ATS sind der der HypoPP am ähnlichsten

​

​​

Behandlung:

​

Acetazolamid

 

Diagnosemöglichkeiten:

siehe unten

Paramyotonia Congenita (PMC)

​

  • Muskelsteifheit bzw. Muskeln entspannen nicht nach Anspannung (Myotonie)

  • Nach der verstärkten Muskelspannung kommt es in den folgenden Stunden zu einer Schwäche, di sich dann langsam zurückbildet.

  • Vermehrt bei Kälte

  • Vermehrt bei Anstrengung/ körperlicher Aktivität

  • Ist der HyperPP am ähnlichsten

  • Mutation im Gen des Natriumkanals SCN4A

Myotonie:

​

  • ist keine eigene Form der Periodischen Paralyse, sondern ein Symptom, welches die Periodische Paralyse begleiten kann.

  • beinhaltet die Unfähigkeit, die Muskeln nach Anstrengung zu entspannen. Dies wird wie Muskelsteifheit empfunden.

  • passiert vermehrt bei kalten Temperaturen. Nach längerem Sitzen in z.B. klimatisierten Räumen kann es für den Patienten schwierig sein, sich zu bewegen. Dies kann nach einigen Minuten der Bewegung wieder verschwinden.

  • kommt gehäuft bei Patienten mit HyperPP vor

  • HypoPP Patienten haben Myotonie in den Augenlidern, so dass sie Probleme haben, die Augen zu öffnen (beim Wachwerden) oder offen zu halten (beim längeren Lesen)

Diagnosemöglichkeiten

​

  • Kaliumbestimmung im Blut

  • EMG (Elektromyogramm)-Untersuchung zum Nachweis myotoner Aktivität, welcher für HyperPP und gg. HypoPP sprechen würde

  • Bestimmung der CK und Transaminasen

  • Klinische Diagnose: Muskel MRT, Muskelbiopsie,

  • Genetische Bestimmung

bottom of page